
![]() "The Final Inch" - Der letzte Zentimeter Munzareen Fatima, eine junge Muslimin im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, steht im Mittelpunkt dieses Films, der mit einer Parallelhandlung beginnt: Während in einer Moschee der Imam über die Verantwortung der Familien doziert, ihre Kinder vor der Kinderlähmung zu schützen, sehen wir Munzareen , wie sie sich auf den täglichen Gang durch ihren Stadtbezirk vorbereitet. Sie ist für UNICEF als "community mobilzier" unterwegs und betreut mit ihrem Impf-Team einen Slum-Distrikt von 446 Häusern. Immer wieder besucht sie die Familien, bis sie sicher sein kann, alle Kinder für die Polio-Schluckimpfung erfasst zu haben. Und dann beginnt oft erst die Auseinandersetzung mit den Eltern, vor allem den Vätern, über den Sinn der Impfung. Munzareen begegnet Unkenntnis und Vorurteilen - und vielen verkrüppelten Polio-Opfern, die als traurige Beispiele für das Versagen der Eltern herhalten. Wer die Lebenswirklichkeit dieser Menschen sieht, die Armut, den Schmutz, die offenen Abwassergräben, das unübersichtliche Gewusel von Kindern und Haustieren, kann erahnen, wie ungeheuer groß die Aufgabe ist, hier eine lückenlose Polio-Prophylaxe zu erreichen. Doch genau darum geht es: lückenlose Durchimpfung. Regisseurin Irene Taylor Brodsky hat ihrem Film deshalb ein Wort des russischen Schriftstellers Alexander Solschenizyn vorangestellt: Die Lehre des letzten Zentimeters einer Aufgabe ist nicht, möglichst schnell fertigzuwerden, sondern ein perfektes Ergebnis zu erreichen. Diese Überzeugung bestätigten auch die zwischengeschnittenen Statements von WHO-, UNICEF-, Rotary- und Regierungsvertretern: Es hilft nichts, wenn wir nur 98 Prozent der Kinder eines Dorfes impfen. Die übrigen zwei Prozent werden viele andere anstecken und vorangegangene Impferfolge zunichte machen. "Niemand gewinnt", fasst Michael Galway von UNICEF zusammen. Schnitt - Schauplatz ist jetzt ein Haus in North Carolina, USA. Wir sind bei Martha Mason, die am Vorabend ihres 70. Geburtstages aus ihrem Leben erzählt. Es ist ein sehr überschaubares Leben, denn es findet seit ihrem elftem Lebensjahr in einer Eisernen Lunge statt. Nur der Kopf liegt frei, der Rest des Körpers steckt in einem Gerät, das für Marthas Beatmung sorgt.
Schnitt Texas, Schnitt Bihar/Indien - was die Schauplätze verbindet, ist die furchtbare Erkenntnis, dass nur eine sichere 100-prozentige Durchimpfung die Kinderlähmung wirklich dauerhaft verschwinden lässt. Die Chancen dafür stehen gut - ein wirksamer Impfstoff, die finanziellen Mittel zur weltweiten Verbreitung sowie tausende von Freiwilligen für die Impfungen stehen bereit -, sodass die Polio-Auslöschung nur noch eine Frage der Zeit ist. Zum Handeln drängt aber nicht zuletzt das menschliche Leid, wie es Polio-Opfer Mikail Davenport (Texas) zusammenfasst: "Niemand sollte so leiden müssen." Preisgekrönter Film Regisseurin Irene Taylor Brodsky hat sich seit den 1990er Jahren einen Namen im Dokumentarfilm erworben. Ihr größter Erfolg bisher ist "The Final Inch", der ihr 2009 eine "Oscar"-Nominierung einbrachte und im selben Jahr mit dem Pare Lorentz Award der International Documentary Association (IDA) ausgezeichnet wurde. Die Absolventin der New York University (Schwerpunkt: Journalismus/Fotografie) legte 1992 ihren ersten Film vor über das Leben von Behinderten in Nepal, wo sie bis 1996 lebte. Als Regisseurin und Produzentin trat sie dann 2004 wieder hervor, als ihr Film "The Rural Studio" über den US-Architekten Samuel Mockbee mit einem Emmy-Award gewürdigt wurde. Ebenfalls ausgezeichnet wurde "Hear and now" (2007), in dem sie die Geschichte ihrer tauben Eltern verfilmt hat, die sich in fortgeschrittenem Alter zu einer Gehöroperation entschieden hatten. Zu den besonderen Schwierigkeiten, die der Polio-Film mit sich brachte, hat sich Taylor Brodsky in einem Interview mit der IDA geäußert: Es sei kein Problem gewesen, in den USA mit Polio-Opfern ins Gespräch zu kommen, da die meisten Familien von der Krankheit betroffene Mitglieder haben. Tayor Brodsky: "Die wirkliche Herausforderung waren die Aufnahmen in Indien und Afghanistan. In Indien steht die Polio-Ausrottung vor einigen Hindernissen, sodass die Regierung nur zögerlich die Genehmigung zu Filmaufnahmen erteilte. In muslimischen Gemeinden war die Filmarbeit höchst kompliziert. Manchmal musste ich selbst die Kamera führen, weil die Frauen den Männern von unserem Team den Zutritt zu ihren Häusern nicht gestatten wollten. Ganz besonders gefährlich war Afghanistan, wo unser Produzent Tom Grant drei Wochen lang mit einer schusssicheren Weste herumlaufen musste. Trotz UN-Protektion war die Situation so instabil, dass wir nur unter Schwierigkeiten unsere Filmaufnahmen beenden konnten." Näheres zum Film unter www.thefinalinch.org ![]() |
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Munzareen Fatima, eine junge Muslimin im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, steht im Mittelpunkt dieses Films, der mit einer Parallelhandlung beginnt: Während in einer Moschee der Imam über die Verantwortung der Familien doziert, ihre Kinder vor der Kinderlähmung zu schützen, sehen wir Munzareen , wie sie sich auf den täglichen Gang durch ihren Stadtbezirk vorbereitet. Sie ist für UNICEF als "community mobilzier" unterwegs und betreut mit ihrem Impf-Team einen Slum-Distrikt von 446 Häusern. Immer wieder besucht sie die Familien, bis sie sicher sein kann, alle Kinder für die Polio-Schluckimpfung erfasst zu haben. Und dann beginnt oft erst die Auseinandersetzung mit den Eltern, vor allem den Vätern, über den Sinn der Impfung.



