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Robert Koch-Institut: "Keine Alternative zur Polio-Kampagne "In ihrer Stellungnahme "Sicht des RKI zur Polioeradikationskampagne der WHO" erläutern die Autorinnen Dr. Katrin Neubauer und Dr. Sabine Dietrich Konzeption und Strategie der Global Polio Eradication Initiative (GPEI), zu der neben WHO und UNICEF auch Rotary International gehört. Ausgehend von den großen Erfolgen seit 1988 gehen die Autorinnen speziell auf die "schwierige" Endphase im Kampf gegen die Kinderlähmung ein und nennen als "große Bedrohung" die Verschleppung von Polio-Viren aus Endemiegebieten in bereits Polio-frei zertifizierte Länder: "Im Zeitraum von 2003-2009 wurden 133 Poliowildvirusimporte in 29 zuvor poliofreie Länder registriert, die zu 60 Ausbrüchen und 2193 Poliomyelitisfällen geführt haben. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass jegliche Zirkulation von Poliowildviren zu Ausbrüchen führen, sobald die Immunisierungsanstrengungen der GPEI aufgrund begrenzter finanzieller Ressourcen oder politischer Veränderungen zurückgefahren werden.Eingehend setzen sich die Autorinnen auch mit den kritischen Stimmen auseinander, die immer wieder darauf hinweisen, dass die hohen Geldmittel, die für diese eine Krankheit eingesetzt werden, an anderer Stelle der medizinischen Versorgung fehlen würden. Zu diesem Vorwurf halten die Autorinnen fest: "Die Polioeradikationsinitiative hat jedoch nicht nur zum größten Zustrom von Public Health-Ressourcen nach Afrika seit der Pockeneradikationskampagne geführt, sondern auch zu wichtigen Investitionen, die der Bekämpfung anderer prioritärer Erkrankungen in den Entwicklungsländern zugute kommen. So wurden die Mittel auch für den Aufbau regionaler Labornetzwerke, Verbesserung von Logistik, Kühlketten, Kommunikations- und Transportsystemen sowie die Ausbildung von Gesundheits-, Immunisierungs- und Überwachungspersonal eingesetzt: Eine Befragung in der WHO-Region Afrika ergab, dass 90% der Länder ihr AFP-System auch für die Überwachung anderer (insbesondere impfpräventabler) Erkrankungen nutzen. Ein markantes Beispiel hierfür sind die Masern, wo durch die GPEI die Anzahl der Erkrankungsfälle um 2,3 Mio reduziert werden konnte. Das Leben weiterer 1,25 Mio Kinder konnte durch die (gleichzeitig mit OPV) verabreichte Vitamin A-Gabe gerettet werden. Neue Konzepte, die im Rahmen der GPEI entwickelt wurden (wie beispielsweise die 'days of tranquility'), ermöglichen oft erstmals den Zugang zu Menschen, die normalerweise nicht vom organisierten Gesundheitssystem profitieren. Auch für Notfallmaßnahmen im Rahmen von SARS und Vogelgrippe wurden die Investitionen der GPEI genutzt (Beispiel: Labornetzwerk)."
Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit und die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention. Kernaufgaben des RKI sind die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung insbesondere von Infektionskrankheiten.
Den vollständigen Text der RKI-Stellungnahme lesen Sie hier. 29.07.2010
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